Ein Jonas in Australien

20Dezember
2012

Canberra

Canberra

Urlaub vom Urlaub, oder so ähnlich. Der einzige Grund warum ich am Samstag nach Canberra gefahren bin, ist, dass ich nicht 6 Wochen am Stück in Sydney sein wollte. Es sagen zwar alle, dass in Canberra nicht viel los ist, aber wenn dann will ich mich selbst davon überzeugen und immerhin ist das die Hauptstadt von Australien. Zumindest Sightseeing sollte also möglich sein :D

Das in der Stadt nicht viel los ist zeigte sich schon bei der Hostelsuche. Laut Internet und Lonely Planet gibt es in Canberra ganze 3 (!) Hostels. Das erste hat keine Küche, das zweite ist das YHA und das dritte ist noch teurer. Ich hab also das YHA gebucht. Irgendwie muss sich unsere Mitgliedskarte ja auch bezahlt machen und dann weiß ich wenigstens, dass ich ein ordentliches Hostel habe.

Im Bus dann, kein anderer Backpacker. Scheint wirklich nicht so beliebt zu sein die Stadt. Und im Bus gabs dann auch noch eine Premiere. Bisher kannte ich die Aufforderung aufgrund einer Schlechtwetterfront die Sicherheitsgurte anzulegen nur aus dem Flugzeug und nicht aus dem Bus. Naja wir haben es überlebt xD

In Canberra habe ich dann im Hostel eingecheckt und was soll ich sagen. YHA halt, Luxus pur. TV-Raum, saubere Küche, Pool. Ich bin in einem 8er Zimmer mit Fenster. 2 Fenstern und man kann beide öffnen. Klingt jetzt nicht besonders, aber wenn man, wie ich, eine Woche lang in einem 8er Zimmer ohne Fenster geschlafen hat, bei dem man morgens nicht wusste, ob man in einem Pumakäfig, oder in einer Ausnüchterungszelle, aufgewacht ist, lernt man sowas durchaus zu schätzen :D

Am Abend habe ich nicht mehr viel gemacht. Zum Aldi, den gibt’s glaub ich überall, ebend ein paar Sachen fürs Abendessen und Frühstück einkaufen, Abendessen und dann noch etwas im TV-Room chillen.

Am Sonntag habe ich dann erstmal ausgeschlafen. Irgendwann gegen 12 habe ich mich dann mal aus dem Bett gequält. Nach einem ausgiebigen Toast-mit-Marmelade-Frühstück bin ich losgezogen, die Stadt zu erkunden. Und als erstes habe ich gemerkt wie groß Canberra ist. Oder eher gesagt weitläufig. In Sydney laufe ich eine halbe Stunde vom Hostel zum Hafen, aber dazwischen ist noch was. In Canberra laufe ich eine halbe Stunde vom Hostel zum Regierungsviertel und dazwischen ist nichts. Nur Straße...

Am Regierungsviertel sieht man sehr deutlich, dass Camberra eine Stadt ist, die am Reissbrett entworfen wurde. Das National War Memorial, die ANZAC-Parade, das Old Parliament House und der Parliament Hill mit dem neuen Parlament liegen alle auf einer Achse. Sieht recht cool aus, wenn man an einem Ende steht und die ganze Strecke entlang gucken kann. Insgesamt bin ich 2 Stunden durch Parlamentsviertel gelaufen, ich war jedoch weder im alten, noch im neuen Parlament. Dafür war es schon zu spät. Muss ich irgendwann man nachholen. Als ich um das Parlament herum gelaufen bin, ist auch ein ganzes Stück ein Polizeiaute neben mir hergefahren. Ich dachte, ob der vlt einfach nur Langeweile hat, bis ich am Ende des Weges gesehen habe, das der für Unbefugte gesperrt ist :D

Abends im Hostel habe ich einen Australier getroffen, der 3 Monate in Hamburg gewohnt hat. Jetzt sprechen sogar die Australier schon Deutsch...

Naja jedenfalls hat er gesagt ich solle Parlament House und War Memorial vergessen. Das absolute Highlight in Canberra wäre ein Imbiss hinterm Glasmuseum, der die weltbesten Burger servieren würde. Könnte man mal vorbei schauen ;-)

Am zweiten Tag bin ich zum National War Memorial gegangen. In fast jeder Stadt habe ich bis jetzt irgendwelche Ehrenmäler gesehen, entweder Gedenktafeln oder Kanonen oder Statuen. Um zu verstehen warum überall so viele Mahnmale stehen, ist vlt eine kleine Geschichtsstunde notwendig ;-)

 

Die Nation Australien wurde 1901 gegründet, war also beim Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 gerade mal 13 Jahre alt. Die australischen und neuseeländischen Soldaten bildeten das „Australian and New Zealand Army Corps“ (ANZAC) und waren stolz darauf ihre junge Nation zu repräsentieren. Die erste Schlacht für das ANZAC war die Landung in Gallipoli in der Türkei am 25.4.1915. Die ANZAC konnten die türkischen Verteidiger jedoch nicht überwinden und es entbrannte ein erbitterter Grabenkrieg. Als das ANZAC schließlich nach 8 Monaten evakuiert wurden, waren von 20.000 ANZAC-Soldaten 8.700 gefallen, oder verwundet. In der Schlacht um Gallipoli entstand auch der Mythos vom ANZAC, von Soldaten, die mutig, kameradschaftlich und ausdauernd gegen die gegnerischen Truppen kämpften. Die ANZAC-Soldaten werden bis heute als Helden verehrt. Viele sehen die Schlacht von Gallipoli als Beginn eines australischen Nationalbewusstseins.

 

Deshalb gibt es überall so viele Memorials und das National Memorial ist natürlich das größte.

Vor dem National Memorial liegt die Anzac Parade. Zu beiden Seiten gibt es kleinere Denkmäler unter anderem für die Gefallenen der einzelnen Teile der Armee (Infanterie , Airforce, Navy) und für die Gefallenen verschiedener Kriege (Korea, Vietnam). Ganz am Ende der Anzac Parade, also dirket vor dem National Memorian ist ein Denkmal für Mustafa Attatürk, den Befehlshaber der türkischen Truppen in Gallipoli. Die Australier haben großen Respekt für die türkischen Truppen, die ihr Heimatland verteidigt haben. So sollte man nach dem Krieg miteinander umgehen...

Das eigentliche War Memorial unterteilt sich in ein Kriegsmuseum und das eigentliche Ehrenmal. Ich hab heute nur das Museum geschafft. Hätte nicht gedacht, dass das so lange dauert. Naja das Ehremal besuche ich dann morgen.

Das Museum ist hat verschiedene Abschnitte. Zuerst war ich im Abschnitt, der den ersten Weltkrieg behandelt. Direkt am Anfang ist großer Raum, der sich nur mit der Schlacht um Gallipoli beschäftigt.

 

Im Teil, der den 2. Weltkrieg behandelt war ich nur danach nur kurz und im Teil, der die Kriege nach dem 2. Weltkrieg behandelt, war ich gar nicht, weil ich keine Zeit mehr hatte.

Dafür war ich zuvor viel zu lange in der Aircraft-Hall. Dort waren bestimmt 20 verschiedene Flugzeuge aus dem 1. und 2. Weltkrieg ausgestellt. Darunter auch eine Lancaster, ein 4-motoriger britischer Bomber, der von australischen Piloten geflogen wurde. Was ein riesen Ding =)

Ich stell einfach mal ein paar Fotos rein.

(Wer sich nicht so sehr für Flugzeuge interessiert, kann einfach runterscrollen, gleich kommen Kängurus ;D )

   

Das War Memorial schließt schon um 17 Uhr und weil ich noch nicht zurück zum Hostel wollte, bin ich noch durch den Nationalpark zum Mount Ainslie gelaufen, der direkt hinter dem War Memorial liegt.

Am Anfang war ich von dem Nationalpark nicht wirklich begeistert, einfach nur Eukalyptus-Wälder links und rechts, aber auf einmal hüpft ein Känguru keine 5 Meter vor mir über den Weg. Ein richtiges Känguru, und nicht son kleines, wie die Anderen, die ich bis jetzt gesehen habe. War leider ziemlich schnell wieder weg, aber auf einmal war der Nationalpark nicht mehr so langsweilig.

Am Gipfel angekommen, hatte man dann eine ziemlich gute Aussicht über Canberra. Der Mount Ainslie liegt genau auf der Achse War Memorial-Parliament Hill, oder eher gesagt, die Städteplaner haben die Achse so gelegt, dass sie auf den Mount Ainslie zuläuft...

Auf jedenfall kann man vom Gipfel über das War Memorial, die ANZAC Parade bis zum Parliament Hill gucken.

Am Dienstag Morgen musste ich erstmal meine Wäsche waschen. Wer sich jetzt fragt, warum ich das nicht schon in Sydney gemacht habe. Man plant hier nicht viel und sowas schon gar nicht. Irgendwann findet man halt im Rucksack kein sauberes T-Shirt mehr und dann weiss man, dass es wieder soweit ist :D

Auf jedenfall bin ich erst Nachmittags los. Ich bin wieder zum War Memorial, um mir dieses mal das eigentliche Ehrenmal anzugucken, was ich am Vortag ja nicht geschafft habe.

Das Ehrenmal besteht aus dem Remeberance Pool mit der Ewigen Flamme und einer Halle mit dem Grab des unbekannten Soldaten. Links und Rechts vom Rememberance Pool gibt es 2 Tafeln mit den Namen von allen 100.000 gefallenen australischen Soldaten. Ende Novemeber ist in Australien Remeberance Day, so etwas wie der australische Volkstrauertag. Daher waren die beiden Tafeln noch mit unzähligen roten Mohnblumen geschmückt.

Nach dem das War Memorial wieder geschlossen hatte, bin ich etwas ziellos Richtung Parliament Hill gelaufen. Irgendwann habe ich gemerkt, oder eher hat Google-Maps mir gesagt, dass ich ganz in der Nähe von der Burger-Bude bin, die mir der Australier empfohlen hat. Warum nicht?

Die Burgerschmiede „Brodburger“ ist hinter dem Glasmuseum und hätte der Australier mir die nicht empfohlen, dann hätte ich die nie im Leben gefunden. Es gab Chickenburger, Fischburger, Veggieburger (Bah!) und den legendären Brodburger, nachdem das Restaurant auch bekannt ist. Ich hab natürlich den Brodburger genommen ;-)

Und der war soooo gut. Bester Burger der Welt? Keine Ahnung. Bester Burger den ich bis jetzt gegessen habe? Auf jeden Fall!

Also wenn irgendwer von euch mal nach Canberra kommt. Brodburger! 12,50$ für ein Burger ist zwar nicht gerade günstig, aber der ist sein Geld definitiv wert.

Wer jetzt Angst hat, dass ich hier fett werde. Ich durfte nach meinem Burger noch 90 Minuten zurück zum Hostel laufen :D

Am Mittwoch stand dann der Black Mountain mit dem Telstra Tower auf dem Programm. Das Wetter war wie die beiden Tage zuvor super. Blauer Himmel Sonnen schein und irgendwas über 30°. Perfekter Tag um einen Berg hochzulaufen :D

Unten am Berg ist der National Botanical Garden. Dort wurden unterschiedliche australische Landschaften nachgebildet. Regewald, Eukalyptus-Wald, Steingarten,...

Ich bin jedoch gerade durch den Botanischen Garten durch, ohne ihn mir großartig anzuschauen. Mein Ziel war ja der Black Mountain. Hinter dem Botanischen Garten begann dann auch der teilweise doch recht steile Weg zum Gipfel. Der Weg verlief durch einen Eukalyptus-Wald und unterschied sich nicht wirklch von dem Weg zum Mount Ainslie. Nur gab es dieses Mal keine Kängurus :-/

Hier merkte ich auch wieder einen Vorteil von Canberra, den ich auch schon vorgestern im War Memorial bemerkt hatte. Hier ist einfach niemand und so muss auch nirgendwo warten, oder sich den Nationalpark mit anderen teilen ;-) Auf dem Weg zum Black Mountain sind mir in 90 Minuten 2 andere Leute begegnet...

Nach einer Stunde war ich oben angekommen. Oben auf dem Gipfel des Black Mountain steht der fast 200 Meter hohe Telstra Tower, der Fernsehturm von Canberra. Der Eintritt für die Besucherplattform kostete 7,50$. Halsabschneider, aber ich war nicht den Berg hochgelaufen, um dann wieder umzudrehen....

Oben auf dem Turm war man dann ca. 300 Meter über Canberra (Berg + Turm) und dem entsprechend atemberaubend war dann auch die Aussicht.

Auf dem Rückweg bin ich im Botanischen Garten dann noch an einer Wetter Station vorbeigelaufen. 24,9 Grad Lufttemperatur im Regenwald und 41 Grad im Eukalyptus-Wald. Ich will gar nicht wissen, wie warm es in der prallen Sonne war.

Im Hostel habe ich gemerkt, dass ich mir zumindest im Nacken nen guten Sonnenbrand abgeholt hab. Den ersten hier in Australien. Das gibt auf jedenfall nen guten T-Shirt Abdruck :D

Am Donnerstag Morgen war das Wetter nicht mehr so gut. Es war bewölkt und hat auch kurz geregnet. Deshalb bin ich wieder zum War Memorial gegangen. Das ist noch am nächsten dran an meinem Hostel. Ich hab mir die Ausstellung über die Kriege nach dem 2. Weltkrieg angeguckt und die Australier haben so ziemlich alles mitgenommen, was es an Kriegen gab. Korea, Vietnam, beide Golfkriege, Afghanistan, dazu noch etliche Peacekeeping Missionen der UN,...

Nach einer Stunde im War Memorial war das Wetter auch wieder besser und ich konnte zu meinem eigentlichen Ziel für Heute. Parliament House. Das Parliament House kann man vom War Memorial aus sehen, aber dank der bekloppten Stadtplanung muss man einen großen Bogen laufen und ist ewig unterwegs. Das Parlament an sich ist eher eine Ausstellung über die australische Politik. Es gibt eine Bildergalerie von allen bisherigen Ministerpräsdenten, eine 800 Jahre alte Version der Magna Carta, den Schreibtisch von Queen Victoria auf dem sie das Gesetz zur Unabhängigkeit Australiens unterschrieben hat, und und und... Das das Ganze eigentlich der Sitz der Regierung ist erkennt man nur an den beiden Parlamentskammern, die im hinteren Teil des Gebäudes sind. Leider war gerade keine Sitzung. Dort geht es teilweise hoch her und die australischen Politiker sind auch nichtg zimperlich in ihrer Wortwahl. Da wird der nächste Redner auch mal mit einem „Come in, sucker!“ begrüßt und wenn der Ministerpräsident meint, dass er manchmal selbst sein größter Gegner sei, kommt vom Oppostionsführer auch schon mal ein „Nein bis du nicht. Nicht solange ich hier bin!“ zurück :D

Sowas könnten wir in Deutschland auch mal gebrauchen. Würde die ganze Sache viel interessanter machen.

Nach dem Parlament bin ich noch durch Botschaftsviertel gelaufen. Scheinen nicht viele Leute da durch zu laufen. Die Wachleute haben einen ziemlich komisch angeguckt und stellenweise gabs nichtmal einen Bürgersteig. Die schönste Botschaft hatte mir Abstand China, dann Papaua-Neuguinea und vlt noch Thailand. Die Anderen waren einfach Bürogebäude, auch die deutsche Botschaft. Und dann haben die auch noch so einen fetten Bären von der WM 2006 vor der Tür stehen...

Am Abend gab es dann wieder das typische Essen bevor man das Hostel wechselt.

Eine stilvolle Auswahl aus „Alles-was-die-Futtertüte-noch-hergibt“ garniert mit etwas „Sinvolles-und-Essbares-vom-Freefood“ gebraten in geschnorrtem Öl und dazu ein Glas herzhaftes Leitungswasser :D

So jetzt noch eine Nacht in meinem Luxusbett schlafen und dann geht es morgen früh zurück nach Sydney. Weihnachtsgrillen am Strand =)

 

 

Nachtrag von letzter Nacht.

 

Lieber Hipster vom Bett neben mir,

wenn man Mitten in der Nacht auschecken muss, kann man seinen Koffer auch am Abend davor packen. Dann muss man auch nicht NACHTS UM HALB DREI das Licht im 8er Zimmer anmachen um geräuschvoll seine Sachen zu suchen. Und stell dein Handy aus oder zumindest auf lautlos, damit nicht alle mitbekommen wenn Mami ALLE 2 MINUTEN anruft!