Ein Jonas in Australien

11Februar
2013

Coober Pedy

...Unser Ziel, die alten Minenstadt, lag 600km von der nächst größeren Stadt entfernt. Mitten in der Wüste, keine Baum, kein Strauch, kein Tier. Nur Steine und roter Sand. Unterbrochen nur von kleinen weißen Sandhügeln. Jeder Hügel, eine Mine. Schon seit hundert Jahren wird hier nach dem „Feuer aus dem Stein“ geschürft. Und die Menschen arbeiteten nicht nur unter der Erde, sie wohnten auch dort. Wer es sich leisten konnte, wohnte in einer alten ausgebauten Mine, um der Gluthitze an der Oberfläche zu entkommen. Wer sich keine alte Mine leisten konnte, oder wollte, lebte in einfachen Häusern, zwischen alten Autowracks und zurückgelassenen Bergbaumaschinen.

Aber immerhin war für das Nötigste gesorgt. Eine hundert Kilometer lange Pipeline bringt Wasser in die Stadt und draußen vor der Stadt tuckern die Dieselgeneratoren, die die Stadt mit Strom versorgen...

Klingt nach irgendeinem schlechten Endzeit-Film? Kann sein, ist aber auch eine ziemlich gute Beschreibung von Coober Pedy. Mein nächstes Ziel auf meiner Reise, oder eher gesagt ein kurzer Zwischenstopp auf meiner Rückfahrt von Alice Springs nach Adelaide.

1914 hat ein Junge auf der Suche nach Wasser zufällig den ersten Opal in dieser Gegend gefunden. Und das ist auch die einzige Existenzberechitigung für diese Stadt. Opale. Aus Coober Pedy und den drei „Nachbarstädten“ kommen 86% alle Opale. Und die Bedingungen sind wirklich hart. Im Sommer wird es über 50° heiß und im Winter fallen die Temperaturen auf 5-10° unter Null. Deshalb ist ein Teil der Stadt unterirdisch in alten Minen gebaut. Es gibt unterirdische Wohnungen, Büchereien, Kirchen und Hostels. Und genau dort hab ich auch übernachtet.

Radekas Underground Backpackers.

Von der Bushaltestelle wurden wir vom Besitzer des Hostels abgeholt. Und der Mann der da aus dem Shuttelbus stieg sah aus, wie man sich einen alten Bergarbeiter vorstellt. Jeans, Unterhemd, langer weißer Bart, Schlapphut :D

Im Hostel bekam ich ein 2er Zimmer für mich alleine, weil ich im Gegensatz zu den Anderen zwei Nächte bleiben wollte. Der Besitzer vom Hostel fragte noch, ob ich eine Decke leihen möchte, weil es Nachts auch wohl mal 20° „kalt“ werden könnte... Ich hab gesagt, es würde auch ohne Decke gehen :D

Im Hostel ging dann eine Treppe runter auf 6,5 Meter und dann kam ein langer Gang an dem dann rechts die einzelnen Zimmer lagen. Ich hatte Room 9, ein 2er Zimmer, welches ich wie gesagt für mich allein hatte. Das war das mit Abstand coolste Hostelzimmer in dem ich bis jetzt geschlafen habe.

Weil ich erst um 8 Uhr Abends angekommen bin, hatten alle Geschäfte in der Stadt schon geschlossen. Ich konnte also nicht im Supermarkt fürs Abendessen einkaufen. Aber in der Nähe von unserem Hostel gab es eine Pizzeria. Als Besonderheit gab es die „Coat of Arms“ Pizza. (Wappen-Pizza). Das australische Wappen besteht aus einem Känguru und einem Emu, die ein Schild halten. Und was kommt dann auf eine „Wappen-Pizza“? Richtig, Kängurufleisch und Emu-Salami :D

Am nächsten Morgen bin ich dann erstmal in den Supermarkt einkaufen gegangen. Und da gabs im Sonderangebot doch tatsächlich richtiges Brot für 2$. So mit Körnern und Kruste und so. Das erste richtige Brot seit 4 Monaten. Man kann mir so kleinen Dingen glücklich werden :)

Mittags hab ich dann eine Tour durch das Hinterland von Coober Pedy gebucht.

Am Anfang der Tour kamen wir an einem abgestürzten Raumschiff vorbei. Kein echtes, die gibt’s auch hier nicht ;), sondern eine Requisiete aus dem Film „Pitch Black“ mit Vin Diesel. In Coober Pedy wurden schon etliche Filme gedreht. Hauptsächlich irgendwelche Endzeit-Filme. Warum bloß?^^

Danach sind wir zur angelikanischen Kirche gefahren, die natürlich unterirdisch ist. Ganz interessant, aber was das alte Ölfass unter dem Altar sollte, weiß ich irgendwie nicht. Vielleicht wird man ja im Ölfass getauft....

Nach der Kirche ging es zum Golfplatz von Coober Pedy. Ja hier gibt’s einen Golfplatz, wobei das hier alles etwas anders ist. Der Platz besteht nur aus hellgrauem Geröll. Gespielt wird deshalb mit bunten Bällen. Grass gibt’s nur am Abschlag. Unterwegs trägt jeder Golfer sein kleines persönliches Stück Grass mit sich herum von dem dann Abgeschlagen wird. Einfach aus dem Grund, damit man sich seinen Schläger nicht vollständig ruiniert, wenn man mal wieder voll in den Boden drischt.

Dann sind wir zu den Minen gefahren. Der Zutritt zu den Minen ist eigentlich streng verboten, aber mit der Tour ist es erlaubt. Wir durften nur den Bus nicht verlassen. Der Grund dafür sind die vielen ungesicherten Minenschächte Wie viele es davon um Coober Pedy gibt weiß keiner genau, aber vorsichtige Schätzungen gehen von mindesten 2 Millionen Schächten aus. Und bei 30 Metern Tiefe kann sich glaub ich jeder vorstellen, was passiert, wenn man da reinfällt. Dann ist Schicht im Schacht xD

Am Ende von dem Minenfeld durften wir aber doch noch den Bus verlassen und in einem Haufen Abraum nach Bruchstücken von Opalen suchen. Ein paar schöne Steine haben wir auch gefunden auch wenn es wohl keine wirklichen Opale sind.

Nach unserer kleinen Schatzsuche sind wir weiter zur Mine und Haus von Crocodile Harry gefahren. Am Eingang wurden wir schon von der Frau des Hausmeisters gewarnt, wir sollten nicht zu Nah ans Haus gehen. Sie hätte die letzten paar Tage mit einem Brownsnake Biss im Krankenhaus gelegen und die Schlange müsste da noch irgendwo sein. Ich liebe Australien :D

Naja,Crocodile Harry war ein deutscher Baron, der nach dem 2. Weltkrieg nach Australien gekommen ist, erst in Nordaustralien als Krokodiljäger gearbeitet hat und dann später nach Coober Pedy, um nach Opalen zu buddeln. Dort wurde er dann zu einer Art Legende. Die Mine war nicht wirklich interessant. Beeindruckend nur, dass die ganze Höhle per Hand und Dynamit gegraben wurde, ohne Hilfe von Maschinen.

Aber sein Haus war einfach nur genial. Im Prinzip eine ganz Normale Höhle, aber früher muss es wohl Muss für jeden Besucher von Coober Pedy gewesen sein, Crocodile Harry zu besuchen. Und gegen eine kleine Spende dufte man sich auf der Wand verewigen. Dementsprechend sieht die Höhle aus...

Außerdem gibt es noch viele andere Sachen die die Besucher dort als Andenken aufgehängt haben. Mützen, Flaggen, BH's und Ausweise, oder Visitenkarten. Darunter zum Beispiel auch ein Führerschein von einem Kerl aus Nottuln :D Kleine Welt und so...

Weiter ging es zu den Breakaways. Das sind Felsen, die mitten in der Wüste stehen. Sieht so ählich aus, wie Arizona in den Staaten. Und hinter den Breakaways liegen die Moonstone Plains. Und genaus so stell ich mir das Outback vor. Steinwüste. Kein Baum, nur kleine Sträucher, knochentrocken und heiß. Und das ganze dann auch noch bis zum Horizont.

Die letzte Station auf der Tour war der Dingozaun. Dieser Zaun, soll die Dingos aus dem Norden von den Schafweiden in Südaustralien fernhalten. Mit 5300km Länge ist der Dingozaun die längste Konstruktion der Welt.

Am nächsten Morgen dann die große Überraschung, bedeckt und Nieselregen. SO hab ich mir das Outback nicht vorgestellt. Nach dem Frühstück, mit richtigem Brot, nur ums es noch einmal zu betonen, war der Regen aber auch schon wieder weg. Ich bin erstmal zur Library gegangen, denn selbst in so einer kleinen Stadt mitten in der Wüste gibt es eine Library mit kostenlosen W-Lan :D

Danach bin ich zur serbisch-orthodoxen Kirche gelaufen, die die schönste der unterirdischen Kirchen hier in Coober Pedy sein soll. Und da hab ich auch gemerkt, dass die Karte die wir bekommen haben nicht maßstabsgetreu ist. Auf der Karte sah es vielleicht nach 15 Minuten Fußweg aus, in Wirklichkeit waren es 45 Minuten. Pro Weg... (Ja Toni und Franzi, ich bin schon wieder ne Ewigkeit irgendwo hingelaufen ;-) )

Auf dem Weg bin ich auch an dem Windrad vorbeigelaufen auf das die Leute hier in Coober Pedy mächtig stolz sind und bei der Tour am Vortag bei jeder Gelegenheit erwähnt wurde. Naja als Münsterländer konnte mich jetzt ein(!) Windrad nicht wirklich schocken. Wenn wir jedes Windrad in die Karte für Touristen einzeichnen würden, wäre das ne ziemlich bunte Karte :D

Ich bin immer weiter weg von Coober Pedy mitten in die Minen rein. Null Orientierung. Sieht alles gleich aus und zwischen den Hügeln sieht man auch keine Anhaltpunkte. Also immer meiner tollen Karte nach.

Ok das Windrad ist rechts von mir und wenn ich jetzt noch ignoriere, dass dies eine Rechtskurve ist, die es auf der Karte nicht gibt, dann müsste ich jetzt rechts abbiegen, dann wieder links und da... Warum zu Hölle zeigt der Wegweiser an der Straße jetzt in die andere Richtung???

Ok dann folge ich halt dem Wegweiser. Mit Karten, besonders solchen Karten, komm ich nicht weit... (Nein das war nicht der Grund warum aus 15 Minuten 45 wurden. Ich bin auf direktem Weg zur Kirche, auch wenn ich nicht immer sicher war, ob ich richtig bin...)

Und ich weiß beim besten Willen nicht, was die vor der Kirche gemacht haben. Überall befestigte Straßen, oder zumindest Schotterwege, aber vor der Kirche nur Steinstaub. Fein wie Mehl und knöcheltief. Meine Schuhe sahen nachher dementsprechend aus...

 

Die Kirche selbst war dann wirklich beeindruckend. Im Gegensatz zur angelikanischen Kirche vom Vortag, hatten die Erbauer bei dieser Kirche auch in die Tiefe gebuddelt. Deshalb war der Kirchenraum bestimmt 4-5 Meter hoch. Dazu dann noch ein Buntglasfenster an der Rückseite.

Als ich wieder im Hostel war liefen zufällig gerade deutsche Nachrichten im Fernsehen. Dortmund hat verloren und Bayern hat Schalke vermöbelt. Perfekt.

Gut gelaunt bin ich dann noch um 5 zur Känguru-Aufzuchtstation gegangen. Dort werden junge Kängurus aufgezogen, deren Mütter von Lastern überfahren, oder von Aboriginies gegessen wurde.

Um 5 war dann Kängurufütterung. Dazu haben wir eine Dose mit Futter bekommen und die Kängurus kamen dann rangehüpft und haben einem aus der Hand gefressen.

Zum Schluss hat der Pfleger dann noch das jüngste Känguru geholt und es mit der Flasche gefüttert

Jetzt bitte ein „Ahhhh soooo cute“!

Und das wars dann auch schon mit meinem Stopp in Coober Pedy. Jetzt geht’s wieder zurück nach Adelaide und am Donnerstag steht dann meine Zugfahrt nach Perth auf dem Plan :)