Ein Jonas in Australien

11Sept
2012

Childers

Die letze Woche war ich in einem Working Hostel in Childers. Ist nicht viel bei rumgekommen, aber war trotzdem eine gute Erfahrung. Ich hab mich mal jeden Tag hingesetzt und etwas geschrieben. Im Nachhinein schon krass wie sich meine Stimmung von einen auf den anderen Tag teilweise um 180° gedreht hat :D

 

Childers Tag 1

Nachdem Kay und ich gestern in Childers im Hostel angekommen waren, Lars und Eric wiedergetroffen haben und uns alle gesagt haben, wie scheiße das hier ist und wie wenig Geld man verdient, begann heute morgen um 7.40 Uhr unser erster Arbeitstag. Cherry-Tomaten Pflücken.

Die Arbeit ist zwar hart, aber nicht so hart wie ich gedacht habe. Aber wir haben auch nur 4,5 Stunden gearbeitet und es war bewölkt, sodass es nicht so heiß war, wie die Tage zuvor. Aber man hockt/kniet die ganze Zeit im Dreck, steckt mit dem Kopf in den Tomaten und pflückt. Ich glaube nicht, dass meine Schuhe jemals wieder sauber werden und die Hände sind nach der Arbeit pechschwarz. Aber immerhin werden die wieder sauber. So halb, nach 10 Minuten waschen...

Die Ausbeute war für mich heute doch eher ernüchternd. Ich hab in der Zeit 6,5 Eimer (geschätzt 7-8 Liter pro Eimer) Tomaten gepflückt und dafür 39$ bekommen. Abzüglich Steuern, Hostel, Essen Spritgeld habe ich heute 4,5 Stunden gearbeitet und 2$ Verlust gemacht...

Aber ich hab die Hoffnung, das ich noch schneller werde. Eric und Lars, die das schon eine Woche machen, haben zum Beispiel 11,5 bzw. 12,5 Eimer gepflückt. Dann macht man auch Gewinn bei der Arbeit.

  Tomaten, überall TomatenLars beim PickenDreckhände

Childers Tag 2

Gestern hab ich gedacht Tomatenpflücken wäre nicht so hart, heute hab ich gemerkt, dass dem nicht so ist. Schon beim Bücken nach der ersten Tomate, machte mir mein Rücken deutlich, dass das heute ein langer Tag werden würde... Wusste gar nicht das man so einen Muskelkater im Rücken haben kann. Ich hab mich dann auf einen Eimer gesetzt und im Sitzen gepflückt. Damit war auch von Anfang an klar, dass ich nicht wirklich schnell sein würde. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich heute versucht habe mit Handschuhen zu pflücken, um nicht ganz so viel Dreck und Pestizide an die Hände zu bekommen. Der Versuch war aber nicht so erfolgreich, weil ich mit den Handschuhen beim Pflücken die Stängel nicht von den Tomaten kriege und nachher einzeln abzupfen muss und noch langsamer werde. Dann muss ich halt mit dem Dreck an den Händen leben. Und nichts anfassen, was man nachher noch essen will, nicht durchs Gesicht wischen und schon gar nicht in die Augen... Heute Abend habe ich mir aber noch Staubmasken geholt, damit man den Ganzen Dreck wenigstens nicht einatmet, wenn man mit dem Gesicht in den Tomaten hängt. Insgesamt hab ich heute 7,25 Eimer gepflückt. Sollte also reichen, um Hostel und Essen zu bezahlen. Aber reich werde ich hier bestimmt nicht...

Das lustige hier in dem Hostel ist, dass alle die gleiche Drecksarbeit machen und alle gleichermaßen über die Arbeit und die Superwiser schimpfen. Das verbindet alle.
Abends saßen wir dann noch mit ein paar Leuten zusammen und haben ein bisschen Wein getrunken. Gibt auch Sachen hier, die Spass machen.

 

Childers Tag 3

Heute hatten wir einen Tag frei. Eigentlich der Sinn unseres Aufenthalt im Working Hostel, aber ich war ganz froh drumm. Und das Wetter war auch auf unserer Seite. War es die Tage an denen wir Arbeiten mussten immer bedenkt gewesen, war es heute wieder sonnig. Eric und Lars sind mit zwei Mädels aus dem Hostel zum Strand gefahren, aber weil dann nur noch 1 Platz frei war, sind Kay und ich am Hostel geblieben. Wir haben dann mit 2 anderen Mädels aus dem Hostel, Cathrin und Theresa, auf der Wiese hinter dem Hostel gechillt. Später waren wir noch in der Bücherei im Internet, wo Cathrin und Theresa ihre Weiterfahrt nach Arlie Beach und ihre Tour zu den Whitsundays gebucht haben. Sie haben auch gefragt, ob wir mitkommen wollen, aber obwohl das Angebot sehr verlockend ist, werde ich hier bleiben, um noch etwas Geld zu verdienen.

 

Childers Tag 4

Das wars für mich. Das ist alles Verarsche hier. Heute mussten wir wieder arbeiten und wir haben mit den kleinen Tomaten angefangen mit denen wir Dienstag aufgehört haben. Sogar die gleichen Reihen, die wir Dienstag schon abgeerntet haben. War also nicht so ergiebig. Ich hab zusammen mit Eric gepflückt und der zieht einen mit seinem hohen Tempo schon gut mit. Ich hab in den ersten 2,5 Stunden fast 4 Eimer gepflückt. Ganz gut für mich. Dann sind wir jedoch zu winzigen Tomaten gewechselt. Und es sollten alle Größen gepflückt werden. Die größten Tomaten hatten die Größe von Weintrauben und die kleinsten die Größe von Erbsen.

winzige Tomaten

Und man bekommt für einen Eimer auch nur 6$. Genauso viel wie für einen Eimer Cherrytomaten, nur das man für die Cherrytomaten ein Drittel der Zeit benötigt. Wie gesagt nur Verarsche hier. Insgesamt habe ich heute nicht einmal 7 Eimer gepflückt. Ich bräuchte 9,5 Eimer pro Arbeitstag um zumindest die Kosten für Hostel und Essen zu decken. Nach drei Arbeitstagen bin ich jedoch schon 8,5 Eimer im Minus. Ich bin also meilenweit davon entfernt überhaupt mit Plus-Minus-Null aus der Woche heraus zu kommen. Ich pflücke 5 Stunden pro Tag Tomaten , lebe in nicht gerade dem besten Hostel und zahl am Ende noch drauf. Nicht ganz der Sinn der Sache. Das können auch die netten Leute und die gute Stimmung im Hostel nicht ausgleichen. Schließlich bin ich hierhin gekommen, um Geld zu verdienen. Ich habe dem Boss vom Hostel heute Abend gesagt, dass ich am Sonntag nach einer Woche wieder abreise und werde dann mit den anderen nach Airlie Beach fahren. Kay fährt am Sonntag auch und Eric und Lars sind sich auch noch nicht sicher, ob die noch eine Woche hier bleiben.

Abends haben wir 6 in unserem Zimmer noch Inception geguckt, aber auf Englisch hab ich den Film nicht wirklich verstanden. Und das ich immer wieder eingeschlafen bin machte das nicht besser :D

Filmabend

 

Childers Tag 5

Heute hatten wir wieder einen freien Tag. Egal ich hab mit dem Arbeiten hier eh abgeschlossen. Verliere ich halt 20$ mehr am Tag muss dafür aber auch nicht 5 Stunden Tomaten pfücken...
So konnte ich ausschlafen und mit den anderen am Pool liegen.

Nachmittags haben Cathrin, Theresa, Kay und ich unser Hostel in Airlie Beach gebucht und auch unsere Whitsudays Segeltour. Das wird gut. Eigentlich wollte ich die Tour ja erst machen, wenn ich sie von meinem hier erarbeiteten Geld bezahlen kann, aber bei dem Lohn hier, hätte ich dafür 5 Wochen hier arbeiten müssen.... Naja egal, lebe ich halt weiter von meinem Ersparten und such mir später einen Job mit guter, oder zumindest fairer Bezahlung.

Mein Elektrorasierer hat mich heute auch im Stich gelassen. Hat wohl das Shampoo nicht vertragen, was da drübergelaufen ist ;-) Beim Versuch das Ding zu reparieren hab ich mir dann noch einen richtig Stromschlag abgeholt. Scheiß Idee das Ding zu zerlegen, wenn der Stecker noch eingesteckt ist :D Aber aus Fehlern lernt man und ab morgen wird sich dann halt wieder per Hand rasiert.

Abends haben wir richtig gut gekocht. Nudeln mit Shrimps und Wein. Luxus pur, aber wenn man mit 6 Leuten kocht, dann kostet das auch nur 4-5$ pro Person.

Abendessen  Yummy

Danach haben wir bei uns im Zimmer aus mehreren Matratzen eine Sitzecke gebaut und wieder einen Film geguckt. Dieses mal war auch noch Tiina aus Finnland dabei, die gestern angekommen ist.

Das ist richtig interessant was man hier alles für Leute trifft. Allein wenn ich daran denke aus wie vielen verschiedenen Ländern ich schon Leute getroffen habe. USA, Kanda, England, Irland, Schweden, Norwegen, Finnland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Italien, Österreich, Israel, Thailand, Taiwan,...

Nach dem Film habe ich noch zu Hause angerufen, um meiner kleinen Schwester zum Geburtstag zu gratulieren. Ich glaube, da war jemand sehr überrascht :D

 

Childers Tag 6

Heute hatten wir, welch Wunder, einen freien Tag. Es haben von den geschätzt 60 Leuten im Hostel nur 5 einen Job bekommen. War also gut was los im Hostel....
Am Pool habe ich mir auch meinen ersten Sonnenbrand hier in Australien eingefangen. Der Abdruck der Uhr auf meinem Arm ist jetzt rot statt weiß :-P

Aber man merkt, dass es hier Frühling wird und wir weiter im Norden sind. Die Sonne brennt doch schon ganz schön und man muss sich eigentlich immer eincremen, wenn man länger in der Sonne liegen will. Immerhin müssen wir bei dem Wetter nicht auf dem Acker stehen.

 

Childers Tag 7

Heute mussten wir um 10 Uhr auschecken und weil ich meinen Rucksack gestern nicht gepackt hatte wurde es etwas hektisch :-P

Unsere 150$ Kaution haben wir auch nicht in bar wieder zurück bekommen, sondern nur einen Beleg, dass es überwiesen wird. Bin ja mal gespannt, ob das Geld irgendwann auf meinem Konto ankommt...

Nach dem Auschecken durften wir uns nicht mehr auf dem Gelände des Hostels aufhalten und einen Gepäckraum gab es auch nicht. Also mussten wir 8 Stunden mit unserem Gepäck in Childers auf unseren Bus warten. Wir haben uns dann mit unserem ganzen Krempel vor die Bücherei gesetzt und die Zeit mit Gratis-Internet, Filmen, Kartenspielen und Musik überbrückt. Unser Reiseproviant bestand aus ein paar Orangen, die wir aus dem Garten des Hostels gepflückt hatten und einer Packung Müsliriegel. Die Packung hatte ich eigentlich als Verpflegung fürs Fruitpicken gekauft, aber danach keinen Tag mehr gearbeitet...

Zurück zum Thema. Die Packung war mittags irgendwann leer und es war klar das die Orangen nicht für die nächsten Stunden, geschweige denn für die 13 Stunden Busfahrt reichen würden. Ohne nachzudenken und verwöhnt davon, dass bis jetzt in jedem Ort die Läden an sieben Tagen geöffnet haben, bin ich zum Woolworth gelaufen. Nach 20 Minuten Fußmarsch musste ich jedoch feststellen, dass die Uhren in Childers offensichtlich anders ticken. Woolworth hatte zu...

Auf dem Rückweg hab ich dann schon überlegt, die nächsten 20 Stunden nichts zu essen, oder noch irgendjemand nach Essen zu fragen. Auf dem Rückweg kam ich jedoch am IGA vorbei, der zum Glück noch geöffnet hatte. Der eigentliche Plan war Sandwiches zu machen, mit Salat, Sauße, Käse und so. Aus Kostengründen wurden daraus Brötchen mit Käse und Wurst. Zusammen mit eine Packung Müsliriegel und einer Packung Kekse für die Fahrt kostete das mal geschmeidige 15$...

Umgerechnet 2 Stunden Erbsen-Tomaten pflücken für ein Mittagessen...

Nachdem wir uns von von den anderen verabschiedet hatten, sind wir zur Bushaltestelle gelaufen, um dort nochmal eine Stunde, inklusive 30 Minuten Verspätung, auf den Bus zu warten. Und dann kam die Krönung von dem ganzen Tag. Endlich im Bus sind wir ungelogen 3 Minuten unterwegs, als der Bus an der Tankstelle direkt hinter Childers abbiegt für eine 30-minütige Essenspause...

So schnell wollte uns Childers anscheinend noch nicht gehen lassen, aber nach der Pause, die wir beiden übrigens als einzige im Bus verbrachten, war unsere Zeit in Childers endlich vorbei und die 13-stündige Fahrt nach Airlie Beach began.