Ein Jonas in Australien

23Sept
2012

Whitsundays

Gestern bin ich von meiner Segeltour in den Whitsundays zurückgekommen. Die Whitsundays sind eine Gruppe von über 76 kleinen Inseln und wir zwischen die Inseln hin und her gesegelt. Okay gesegelt sind wir nicht wirklich, weil wir die drei Tage absolut keinen Wind hatten, aber dafür hatten wir die ganze Zeit das beste Wetter und das Meer war spiegelglatt.

Unser Boot war die Samurai, eine fast 20 Meter lange, ehemalige Rennyacht. Aber wegen kein Wind sind wir nur langsam übers Meer getuckert.

Samurai

Am ersten Tag mussten wir um 9.15 am Hafen sein und weil wir erst um 9 aus dem Hostel ausgecheckt haben wurde es mal wieder etwas hektisch :D

Am Hafen haben wir dann unsere 3-köpfige Crew kennen und auch die anderen 15 Leute aus unserer Gruppe. Und hey Überraschung außer uns 4 nur noch ein anderer Deutscher. An Bord wurden dann die Betten zugeteilt. Cathrin, Theresa und ich bekamen eine eine Sitzgruppe,die man in ein Bett umbauen konnte. Nicht bequem, aber ich hab schon schlimmeres gesehen...

Am ersten Tag sind wir nach Whiteheaven Beach gefahren und ich glaube es kaum einen schöneren Strand, als diesen. Blaues, kristallklares Wasser und ein schneeweißer Strand. Ich konnte gar nicht aufhören Fotos zu machen, weil man dreht sich um und denkt sich „Das sieht ja mal richtig gut aus, davon muss ich ein Foto machen“ Und das immer und immer wieder...

Wir haben direkt am Meer auf „unserer“ kleinen Insel gelegen, die soeben aus dem Wasser ragte. Traumhaft schön...

Im Meer geschwommen habe ich jedoch nicht, weil ich keine Lust hatte meinen Stinger-Suit (Neoprenanzug) anzuziehen. Auf den Whitsundays sollte man überall so eine Stinger-Suit tragen, weil es überall Quallen gibt, die, wie so vieles hier in Australien, auch mal gefährlich sein können. Hin und wieder hat man mal eine Tentakel ins Gesicht, oder an die Hände bekommen und so wie das schon gebrannt hat, wollte man das nicht am ganzen Körper haben. So unbequem der Anzug auch war, sinnvoll war er allemal.

    

Am Abend haben wir dann noch mit ein ein paar Franzosen und Engländern Teufelskreis gespielt. Ich mag das Spiel einfach nicht, und dass die es mit Ich-hab-noch-nie verbunden haben, machte es nur noch schlimmer, aber so viel trinken konnten wir eh nicht, weil wir am nächsten Morgen unseren Tauchgang haben würden und wir dafür nüchtern sein mussten. Beim Schlafen habe ich gemerkt, dass unsere Bett-Sitzgruppe nicht nur unbequem, sondern auch ziemlich klein ist. Wenn ich mich ausgestreckt habe, hingen die letzten 20-30cm von mir im Gang und damit war der Gang auch schon wieder halb versperrt :D Soll Nächte gegeben haben in denen ich mehr geschlafen habe...

Am nächsten Morgen war dann unser Tauchgang. Wir wurden in 4er Gruppen eingeteilt und weil wir in Gruppe 2 waren konnten wir vorher noch am Strand schnorcheln. Und alleine das war schon unglaublich. Man schwimmt über dem bunten Korallenriff und überall sind Fische in allen möglichen Farben, die auch nicht wegschwimmen, wenn man an ihnen vorbei schwimmt. Man hat das Gefühl in einem unendlich großen Aquarium zu schwimmen.

Dann waren wir dran mit unserem Tauchgang. Nachdem wir unsere Ausrüstung bekommen haben, haben wir ein paar Übungen gemacht. Die erste war sich einfach hinzusetzen und unter Wasser zu atmen und ich hab es direkt verbockt :D Irgendwie habe ich es nicht geschafft unter Wasser ruhig und tief ein- und auszuatmen, sondern habe nur kurz und hektisch geatmet und auf einmal fingen meine ganzen Finger und Hände an zu kribbeln. Nicht gut, also wieder zurück nach oben. Da dachte ich eigentlich schon das wars, aber unser Tauchlehrer sagte, ich solle tief einatmen und mich aufs ausatmen konzentrieren. Das mit dem tief einatmen hat er vielleicht später noch bereut, aber jetzt klappte es. Die anderen Übungen waren, unter Wasser das Wasser aus der Taucherbrille zu entfernen und unter Wasser das Atemmundstück wieder in den Mund zu nehmen. Nachdem die beiden Übungen beim ersten Versuch klappten, stellte sich auch ein Gefühl von Sicherheit ein. Dann ging es los und es hat Spass gemacht. Das Riff sieht zwar 200m vor der Küste beim Tauchen nicht anders aus, als 30 vor der Küste, aber man merkt gar nicht das man tief unter Wasser ist. Erst wenn man mal nach oben schaut, merkt man, dass man 7-8 Meter unter Wasser ist. Die halbe Stunde ging aber doch sehr schnell vorbei. Nach dem Tauchgang musste erst mal an meiner Ausrüstung die Flasche, die eigentlich für 5 Gruppen reichen sollte, gewechselt werden. Naja er hat zu mir gesagt tief ein- und ausatmen und unter Wasser nicht die Luft anhalten und das hab ich wohl ganz gut hinbekommen :D

Nachmittags sind wir dann noch nach Hayman Island gefahren. Der Strand dort war über und über mit abgestorbenen Korallen bedeckt. Irgendwie lächerlich. Hier sitze ich auf einem ganzen Berg Korallen, aber mitnehmen darf man keine... Das Riff vor der Insel war noch schöner, als das vorherige und es gab auch mehr Fische. Unter anderem „Elvis“. Ein über 1m langer Fisch, der so ruhig ist, dass man ihn sogar anfassen kann. Der Anfang war für uns 4 jedoch etwas ernüchternd. Wir haben nichts außergewöhnliches gesehen, aber wirklich alle anderen haben Rochen, Schildkröten, oder eben Elvis gesehen. Beim zweiten Mal schnorcheln waren dann aber auch wir erfolgreich und haben auch alles gesehen, bis auf eine Schildkröte. Nachdem ich dann noch lange alleine geschnorchelt habe, sind Kay und ich die Strecke zurück zum Schiff geschwommen, anstatt das Schlauchboot zu nehmen. Ganz komisches Gefühl im Meer zu schwimmen und unter einem sieht man einfach nichts. Und die Strecke sieht vom Strand auch viel kürzer aus, als sie wirklich ist. Am Ende waren es bestimmt 400-500m und ich war ziemlich fertig, als ich am Schiff angekommen war. Abends haben wir uns den Sonnenuntergang angeguckt. Mal ehrlich gibt es einen besseren Platz für Sonnenuntergänge, als auf einem Segelschiff.

In dieser Nacht haben wir vier auf dem Deck übernachtet. Schlafsäcke waren jedoch auf dem Schiff verboten und somit musste das Prinzip Zwiebelschale wärmen. Alles anziehen, was die Reisetasche hergibt und gucken ob es reicht. Der Sternenhimmel ist doch sehr beeindruckend, wenn von nirgendwo Licht kommt. Man sieht viel mehr Sterne und Sternschnuppen.

Irgendwann gegen halb 2 bin ich aufgewacht. Erster Gedanke: Wo zum Teufel bin ich. Zweiter Gedanke: Warum liege ich hier alleine. Nachdem ich mich einmal umgeschaut hatte, wusste ich auch wieder wo ich war und das zumindest Kay auch noch da ist. Dann hab ich noch den Atem eines Wals gehört. Er muss also ziemlich nah gewesen sein, aber es war dunkel und meine Taschenlampe war irgendwo, nur nicht in meiner Tasche. Verdammt...

Um 4 bin ich dann nochmal wach geworden, weil da auch Kay nach unten gegangen ist. Alleine wollte ich auch nicht oben bleiben, aber weil sich Cathrin und Teresa unsere Schlafecke zu zweit gut aufgeteilt hatten und ich die beiden nicht wieder wecken wollte bin ich wieder nach oben. Ich hab mir die Kaputze vom Fleecepulli übers Gesicht gezogen und mich in den Windschatten der großen Kühlbox gelegt. So konnte man es doch erstaunlich gut aushalten.

Am letzten Tag sind wir zu einer kleinen Sandinsel gefahren. Diese lag direkt vor Hayman Island. Sollte noch wichtig werden an diesem Tag. An dieser Sandinsel sollte es viele Schildkröten geben und weil wir am Tag davor keine gesehen haben war dies das Ziel für den Tag. Wir sind jedoch nur vom Schiff zum Strand geschwommen und nur kurz geschnorchelt. Dann rief jedoch eine Französin aus unserer Gruppe, dass sie eine gefunden hätte. Ich bin dann als einziger von uns 4 zurück ins Wasser, um mir die Schildkröte anzusehen. Ich bin dann ein Stück über der Schildkröte geschwommen und dann zu ihr runter getaucht, um mit ihr auf einer Höhe zu schwimmen. Wirklich beeindruckend, besonders weil die Schildkröte nicht weggeschwommen ist und man einfach 1-2 Meter neben ihr schwimmen konnte. Als ich das zweite Mal runter getaucht bin und gerade auf der Höhe der Schildkröte war, auf einmal -Bam- rechte Schulter ausgekugelt. Ernsthaft, beim Schnorcheln, ganz ohne Vorwarnung. Gibt wahrscheinlich nicht viele, die das schaffen. Immerhin tat es nicht weh, aber trotzdem begann jetzt der etwas ätzende Teil des Tages...

Zum Glück war ich nicht weit vom Strand weg und mit den Flossen kann man auch schwimmen ohne die Arme zu benutzen. Esther und Mikael, die mit mir geschnorchelt haben, hatten auch bemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmte (sah bestimmt auch komisch aus :D ) und sind mit mir zum Strand geschwommen. Nochmal Danke dafür.

Rick, unser Skipper, hat mich dann mit dem kleinen Schlauchboot vom Strand aufgesammelt und rüber nach Hayman Island gebracht. Wie gesagt, sollte noch wichtig sein, dass Hayman Island in der Nähe war. Dort gibt es ein Luxus Resort (ab 2500$ die Nacht) mit Krankenstation. Ich denke es kann sich jeder vorstellen, dass es nicht spaßig ist mit ner ausgekugelten Schulter in nem kleinen Schlauchboot übers Meer zu fahren. Jetzt begann die ganze Sache auch etwas schmerzhaft zu werden.

(Hayman Island und in der Mitte das Luxus Hotel.)

In der Krankenstation waren nur 2 Krankenschwestern, die immer via Telefon einen Arzt aus Sydney um Rat fragen mussten Ich bekam nur mit, dass die das noch nie gemacht hat und ich zum Arzt nach Airlie Beach muss. In dem Moment bekam ich doch etwas Panik, immerhin war Airlie Beach noch über 4 Stunden weg. Sie sagte jedoch auch, dass man versuchen könnte, dass sich die Schulter von selbst wieder einrenkt. Klang schmerzhaft, aber immerhin noch besser als 4 Stunden segeln bis zum Arzt in Airlie Beach. Erstmal musste jedoch der Stinger-Suit weg. Linker Arm ok, Reisverschluss auf dem Rücken ok, beim rechten Arm wäre ich aber fast die Wände hoch gerannt. Das tat mal richtig weh... Den Versuch haben wir dann auch schnell beendet und die Krankenschwester hat den Ärmel aufgeschnitten. Sorry Rick für den Anzug... Ich sollte mich dann auf den Bauch drehen und den Arm lang runterhängen lassen. Nicht lustig. Dann bekam ich eine Flasche in die Hand, die den Arm nach unten zieht und nach kurzer Zeit ist die Schulter auch von selbst wieder eingerenkt. Glück gehabt. Doch keine 4 Stunden Segeln mit ausgerenkter Schulter :D Zum Schluss gabs noch 2 Schmerztabletten, wohlgemerkt nachdem alles vorbei war. Insgesamt hat die ganze Aktion in der Krankenstation nur ca. 30 Minuten gedauert. Gekostet hat es trotzdem 200$. Besser nicht drüber nachdenken. Luxushotel Luxuspreise...

Auf dem Rückweg nach Airlie Beach haben wir dann doch noch einen Wal gesehen. Und dann sind noch 2 Delfine aufgetaucht und sind auf der Bugwelle unseres Schiffes gesurft. Zwar nur ganz kurz,aber fürs Foto hats gereicht. Selbst einer von der Crew sagte, dass er sowas noch nicht gesehen hat, aber in solchen Sachen haben ich einfach Glück.