Ein Jonas in Australien

18Oktober
2012

Wwoofen - Das richtige Australien

Eigentlich hatte ich geplant diesen Eintrag in Englisch zu schreiben, aber weil das bestimmt dreimal so lange gedauert hätte, ich brauch jetzt schon ewig für einen Blogeintrag, und ich nicht sicher war, ob jeder den englischen Blogeintrag hätte lesen können, schreibe ich jetzt doch in Deutsch. Schlecht für mein Englisch, gut für euch ;D

Die letzten 10 Tage waren einfach nur genial, aber ich fange einfach mal von ganz vorne an, obwohl sich das dann vielleicht mit anderen Einträgen überschneidet. Ich bin aber gerade zu faul nachzugucken, was ich schon geschrieben habe und was nicht... :D

Nachdem unsere Jobsuche in Townsville nicht erfolgreich war, haben wir uns überlegt, dass man auch Wwoofen gehen könnte. Beim Wwoofen (WWOOF = Willling Workers On Organic Farms) arbeitet man unentgeltlich auf Farmen und bekommt dafür Essen und Unterkunft. Das Problem war aber, dass wir vier Leute waren und die meisten Farmer nur 1-2 in seltenen Fällen auch 1-4 Leute nehmen. Eigentlich wollten wir eine Farm zwischen Townsville und Missionbeach finden, weil Missionbeach unser nächster Stopp sein sollte. Der Traum wäre natürlich eine Farm auf Magnetic Island gewesen, aber wir haben nichts passendes gefunden. Weder auf Magnetic Island, noch irgendwo zwischen Townsville und Missionbeach. Also haben wir auch Farmen angerufen, die weiter nördlich lagen. Eigentlich haben nur Teresa und Cathrin bei den Farmen angerufen. Mein Job war es hinter unserem Geld und unserem Deposit aus dem Working Hostel in Childers hinterher zu telefonieren. Aber das ist ein anderes Thema...

Schlussendlich haben wir eine Farm in Mutchilba, 100km westlich von Cairns, gefunden, die Platz für uns 4 hatten. Eigentlich war geplant, dass wir direkt von Magnetic Island nach Cairns fahren und von dort direkt weiter zur Farm, aber der Farmer hat uns angerufen, dass er uns erst am Montag abholen kann... War für mich ganz gut, weil es mir nach Magnetic Island ziemlich schlecht fühlte. Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und so weiter. Ich denke, ich habe zu wenig getrunken, aber vielleicht waren es ja auch die 2 kalten Dosen Ravioli. Wer weiss ;D

Am Montag Morgen war dann erstmal wieder Chaos. Bus suchen. Google Maps sagt rechts, Bushaltestelle ist links. 6 Leute gefragt, 2 hatten keine Ahnung, 2 sagen links, 2 sagen rechts.... Rechts war richtig und wir haben unseren Bus nach Mareeba bekommen. In Mareeba angekommen hat uns der Busfahrer erstmal vorgewarnt, dass es in Mutchilba keinen Supermarkt gibt und auch sonst eigentlich nichts. 10 Häuser oder so... Also sind wir noch kurz zum Coles gegangen und danach nach Mecces, um die 3 Stunden Aufenthalt mit kostenlosen Internet zu überbrücken.

In Mutchilba angekommen, wurden wir auch direkt von unserem Farmer abgeholt und zu unserer Farm gebracht. Blöderweise habe ich da mein gutes Reisehandtuch im Trailer vom Bus vergessen :-/

Auf der Farm lebten Graham und mit seiner Frau Jan und 3 Kindern.

Auf der Farm angekommen haben wir auch die anderen 8 Wwoofer kennengelernt. 5 Mädels (Julie aus Belgien, Meiwa auf Frankreich und Yuri, Hirokko, Sally aus Japan) und 3 Jungs (Julien(Froggy) aus Frankreich und Yullie und Sunny aus Südkorea). Wir waren also ein bunt gemischter Haufen. Gesprochen wurde natürlich Englisch und auf der Hinfahrt hatte uns Graham auch schon erklärt, wer nicht Englisch spricht, muss eine Chili essen. Das war auf der Farm die übliche Bestrafung.

Nicht Englisch gesprochen – Chili

Schuhe im Haus – Chili

Hut auf dem Tisch – Chili

Sich blöd angestellt – Chili

Ich musste in den 10 Tagen aber nur eine Chili essen und auch nur, weil ich eine Wette gegen Kay verloren habe. Die war zwar nur ganz klein, aber -Holla die Waldfee- die hat gebrannt wie sonst was.


Auf der Farm hatten die Wwoofer eine eigene kleine Hütte mit Küche, Dusche, Klo und so weiter. Alles sehr einfach gehalten, passte aber so perfekt ins Bild des einfachen Farmlebens.

Geschlafen habe ich mit Kay und den beiden Südkoreanern in einem alten Schulbus, in den anstelle der Sitze 4 Betten standen. Die Betten waren aber mehr Hängematten und weil das Bett, wie jedes Bett hier in Australien, für mich zu kurz war, hab ich meine Matratze auf den Boden gelegt und dort geschlafen.

Der Tagesablauf war eigentlich immer der gleiche. Morgens um halb sieben aufstehen, Frühstücken und um sieben begann dann die erste Schicht, bis um 9 Uhr. Dann war eine Stunde Pause („Smoko“) in der wir immer zusammen Kaffee getrunken haben und eine Kleinigkeit gegessen. Während dieser Pause gab es auch immer die Chilis zu essen, die man sich am Tag zuvor „verdient“ hatte.

Nach der Smoko-Pause war dann noch eine 2 Stunden Schicht bis um 12 und dann nochmal eine Schicht von 4 bis um 6, weil man in der Mittagshitze nicht wirklich arbeiten konnte/wollte. Abends haben dann immer 2 Leute von uns für alle gekocht und nach dem Abendessen sind dann alle gegen 9-10 Uhr ins Bett gefallen.

Gearbeitet haben wir entweder auf den Süßkartoffelfeldern, oder auf der Limettenplantage. Auf den Süßkartoffelfeldern mussten wir Unkraut jäten, weil auf der Bio-Farm logischerweise keine Unkrautvernichtungsmittel verwendet werden. Also mussten 12 menschliche Unkrautvernichter, bewaffnet mit 2 Händen und einer Harke, den Job übernehmen :D Die Arbeit war körperlich nicht wirklich anstrengend, aber wurde mit der Zeit etwas langweilig. Naja wozu gibt’s MP3 Player.

Am Montag hab ich beim Unkrautjäten in ein Spinnennetz gefasst. Und die Besitzerin saß auch direkt daneben. Redback! Eine von zwei potentiell tödlichen Spinnenarten hier in Australien und ich grabsch einfach mal 2cm dran vorbei. Knapp :D Kommentar von Graham: „Glückspilz. Du bist der erst, der eine auf dem Feld findet. Normalerweise sitzen die im Haus.“ :D

Auf der Limettenplantage mussten wir, wen wunderts, Limetten pflücken. Ich wusste ja das Limetten auf Bäumen wachsen, aber ich wusste nicht, dass diese Bäume Dornen haben. Gibt nen paar schöne Kratzer auf den Armen. Auch an die Ameisen und Spinnen auf den Bäumen gewöhnt man sich.

Schlimmer war aber das lange Grass unter den Bäumen, das wir immer mit den Armen plattdrücken mussten. Das gibt richtig viele kleine Schnitte an den Armen und mit dem Schweiß und der Sonnencreme kommt da richtig Freude auf. Generell musste man sich vor jeder Schicht, also drei Mal am Tag, mit Sonnencreme einschmieren. Und bei bis zu 38 Grad im Schatten sollte man auch darauf achten, dass man genug trinkt. Ich hab für jede Schicht eine große Flasche Wasser mitgenommen und über den Tag verteilt immer so 4-6 Liter Wasser getrunken. Oft sind wir auch in der Mittagspause zur Abkühlung in den See gesprungen. Einfach in den normalen Klamotten, die man gerade getragen hat. Scheiß egal, bei den Temperaturen trocknet man ja schnell wieder :D


Die Mittagspause war auch die einzige Zeit in der man etwas unternehmen konnte, weil Abends stand eigentlich nur noch Duschen, Essen und dann Bett auf dem Plan. Blieben also nur die 4 Stunden Mittagspause. Man konnte im See schwimmen, Billiard spielen oder Tischtennis spielen.

Ok Tischtennis wurde eigentlich nie gespielt, sondern immer die drei Nationalsportarten von Mutchilba: Nipple-Pong, Chili-Pong und Sting-Pong

Den Sinn von Nipple-Pong habe ich nie so Richtig verstanden, obwohl es mir mal jemand erklärt hat, außer, dass zumindest die männlichen Spieler oben-ohne spielen müssen.

Chili-Pong ist recht einfach erklärt. Der Verlierer muss eine Chili essen. Außnahme war nur, wenn die Südkoreaner gespielt haben. Die sind scharfes Essen gewöhnt und haben keine Angst vor Chilis. Die mussten dann einen Esslöffel Vegimite essen. (Vegimite ist ein absolut widerlicher Brotaufstrich, aber Kult in Australien.)


Sting-Pong ist auch recht simpel. Wenn jemand einen Punkt macht, darf er den Tischtennisball dem Anderen mit voller Wucht auf den Rücken schmettern. Hört sich nicht schlimm an, aber z. B. Graham bekam so eine Wucht hinter die Bälle, dass man die Abdrücke noch Stunden später sehen konnte. Ich hab es nicht gespielt, aber Kay hat es ausprobiert. Sehr lustig. Zumindest für uns :D

Einen Abend mussten Kay und ich auch für die gesamte Mannschaft kochen. Da hatte ich doch etwas Respekt vor, vor allem weil ich nach 6 Stunden Arbeit nicht das Essen von 12 Leuten verbocken wollte. Wir haben dann Nudeln gekocht. Kann man nicht viel falsch machen. Dazu angebratenes Gemüse. Ganz nach dem Motto wenn man nicht weiß wie man es zubereiten muss, schmeiß es in die Pfanne und brat es an. Dann noch die geschmackliche Allzweckwaffe Käse drüberstreuen. Fertig. War gar nichtmal so schlecht :D

Wo wir gerade beim Essen sind. Am vorletzen Tag haben wir in der Nachmittagsschicht um die nervigen Hähne gekümmert, die uns jeden Morgen geweckt haben. Selbst gefangen, ermordet und zerlegt. Cathrin und Teresa haben das ganze dann zubereitet. Reis mit Hühnchen in Currysauce. Echt lecker, aber schon komisch etwas zu essen, was man vorher noch lebend gesehen hat, aber Hähnchenschnitzel wachsen halt nicht in der Kühltruhe im Supermarkt.

(Hab leider vergessen Fotos zu tauschen. Vlt später wenn ich Kay irgendwo wiedergetroffen habe :D )

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Am 3. Tag hatte ich auch Geburtstag. Zum ersten Mal alleine Geburtstag und dann auch noch 10 Stunden vor Sarah :-P

Geändert hat sich am Tagesablauf natürlich nichts. Musste trotzdem um halb sieben aufstehen und 6 Stunden arbeiten. Von Cathrin, Teresa und Kay hab ich eine Tafel Schokolade bekommen und am Abend einen Geburtstagskuchen. Die erste Schokolade hier in Australien. Die war soooooooo gut =) Vielen Dank nochmal!


Von Graham hab ich eine Flasche Vodka und eine Flasche Whiskey bekommen. Irgendjemand sagte, dass er das Zeug selbst herstellt. Schmeckt aber nicht anders als sonst und erfüllt seinen Zweck ;-)

Am Abend hat mich Graham dann noch zmit zum See genommen zum Wasserski, oder so ähnlich... Die Wasserski waren ein einfaches gebogenes Holzbrett ohne Schlaufen für die Füße oder so. Farmstyle Wasserski :D Am Anfang war es ziemlich schwer. Man lag mit dem Bauch auf dem Brett, musste dann auf die Knie und mit der einen Hand das Seil loslassen und vorne ans Brett greifen. Dann mit einem Fuß aufstehen und an diesem Punkt hat es mich immer zerrissen, weil ich die Kontrolle über das Brett verloren habe und es sich immer zur Seite gedreht hat. Nur einmal hab ich es geschafft und wenn man dann einmal steht, dann ist es auch nicht mehr so schwer das Brett unter Kontrolle zu halten. Da habe ich dann auch 5 oder 6 Runden geschafft. Mit Kurven und so ;-) Hat auf jedenfall riesig viel Spass gemacht und der Muskelkater am nächsten Tag war es wert.


Nach 10 Tagen sind wir wieder zurück nach Cairns gefahren und ich möchte keinen Tag auf der Farm missen. Wäre ich alleine unterwegs, wäre ich wahrscheinlich länger auf der Farm geblieben, aber ich wollte mit den Anderen zusammen weiterreisen und vor allem Teresa wollte wieder zurück, weil sie nur noch 5 Wochen in Australien ist und noch etwas mehr sehen wollte als die Farm :D

Auf der Rückfahrt nach Cairns hab ich auch mein Reisehandtuch wiederbekommen. Es lag einfach immer noch im Trailer vom Bus. 10 Tage lang :D Genauso sah es zwar auch aus, aber ich hab es wieder. Geht nix verloren :D